Gedanken zum Religionsunterricht

von R. Bening

 

Die Jugendlichen suchen ihren eigenen Platz in der Welt und haben Spaß am Selber-denken. Hier kann der Religionsunterricht Raum, Zeit und Gelegenheit bieten, sich Gedanken über ein gelingendes Leben zu machen. Ziel ist es, in einem geschützten Raum, in dem den Jugendlichen Achtung entgegengebracht wird, Gestaltungsspiel-räume zu eröffnen, damit sie ihre Urteilsfähigkeit ausbilden können. Auf diese Weise leistet der Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag bei der Ausbildung des kritischen Denkens der Schüler u. ergänzt die Bemühungen der anderen Geisteswissenschaften, indem er die Selbständigkeit der Jugendlichen fördert.

 

Da wir in einer pluralistischen Gesellschaft leben, in der es ein Nebeneinander von religiösen und atheistischen Positionen gibt und geben wird, ist es sinnvoll und nützlich, die jeweils andere Tradition kennen und respektieren zu lernen. Es geht im Dialog mit der Bibel darum, seinen Blickwinkel zu erweitern und Sachkenntnis hinzuzugewinnen. Im Interesse eines gedeihlichen und friedlichen Miteinanders wird es sich als nützlich und hilfreich für die Zukunft erweisen, Missverständnisse zwischen Atheisten und Christen zu klären und Scheingegensätze aus dem Weg zu räumen, damit Toleranz gegenüber Andersdenkenden gelebt werden kann.

 

Der Unterrichtsstoff des Religionsunterrichtes bildet kein reines Auswendig-Lern-programm, da ein wichtiges Ergebnis folgender Bewusstwerdungsprozess ist: Gott ist weder etwas Vernuftnotwendiges, noch etwas Unvernünftiges. Seine Existenz lässt sich weder zwingend nachweisen, noch widerlegen. Gott ist Glaubenssache. Hier ist jeder Mensch persönlich gefordert, eine existentielle Entscheidung zu treffen. Glaube begegnet uns in diversen Weltreligionen in Gestalt eines persönlichen Bekenntnisses, welches Ausdruck eines individuellen Vertrauensaktes ist.

 

Als Zugang zur Ideenwelt bedeutender Denker sollen uns möglichst Originalquellen dienen. Denn es ist im Interesse intellektueller Redlichkeit unerlässlich, jede Tradition „persönlich zu Wort kommen zu lassen.” Um eine gute Studierfähigkeit zu erlangen ist es wichtig, sich grundlegende hermeneutische Techniken anzueignen:

 

            „Vor der Anwendung der Kunst (der Auslegung, Ver.) muss einhergehen, dass

            man sich auf der objektiven und subjektiven Seite dem Urheber gleichstellt.”[1]

F.D.E. Schleiermacher

Fachkonferenzleiter: Herr Bening

 

 

 

 

 

[1]F.D.E. Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik, 5. Aufl., Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 211, Frankfurt am Main, 1991, S. 94