30 Jahre Wende – Zeitzeugenbesuch im Unterricht

Bei uns im Projektfachunterricht der 11. Klasse steht momentan der Mauerfall 1989 auf dem Lehrplan. Insbesondere interessiert uns dabei, wie die Menschen in Röbel sich in diesem Jahr verhalten und gefühlt haben. Dazu luden wir am 26. August 2019 einen Zeitzeugen ein, der die aufregenden Monate rund um den Mauerfall aktiv miterlebt und mitgestaltet hat: unser Schulleiter Hans-Dieter Richter.

Im Unterrichtsgespräch erzählte er ausführlich von den restriktiven Bedingungen in der damaligen DDR, die die Bürger schließlich auf die Straße getrieben hatten, um für Demokratie und Mitbestimmung zu demonstrieren – und das ohne zu wissen, welche Folgen diese Proteste mit sich ziehen konnte.

Auch in Röbel wollte man sich nicht mehr mit den gegenwärtigen Zuständen, der Unfreiheit, den fehlenden Möglichkeiten und den, im Vergleich zum Westen, schlechteren Lebensverhältnissen abfinden. Und so riefen mutige Röbeler am 19. Oktober 1989 zu einem demokratischen Dialog im Turmraum der Marienkirche auf. Mit einem Ansturm an Interessierten von über 800 Personen hatten die Veranstalter aber nun wirklich nicht gerechnet. Doch daran zeigte sich, welchen Gesprächsbedarf die Menschen in dieser Zeit hatten, um etwas an den Umständen in Röbel und in der ganzen DDR zu verändern. Auf die Frage, ob die Teilnehmer keine Angst vor Repressionen durch den mächtigen Stasi-Apparat hatten, antwortete unser Zeitzeuge: „ Alle hatten Angst, dass es knallte.“ Doch die Bewegung war wichtiger. Und so traf man sich auch in den kommenden Wochen, um gemeinsam eine Veränderung zu bewirken. Dabei wuchs die Teilnehmerzahl auf über 2000 Demonstranten.

Als sich dann die Mauer am 09.11.1989 öffnete, bekam es erstmal niemand aus Röbel richtig mit, verriet Herr Richter. Die Tatsache, dass die DDR-Bürger jetzt Zugang zum Westen hatten, war unvorstellbar: „Das war ein riesiges Aufatmen.“ Auf die Frage, ob Herr Richter sich immer noch beim Grenzübergang daran erinnere, dass das früher nicht möglich war, antwortete der Schulleiter: „ Ja, auch nach all den Jahren denke ich noch daran.“ 

 

Maxima Berholz und Hanna Reinke

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